2005-11-09

Panzerknacker....

Es ist ja nicht so, als ob ich bevor ich nach Hamburg gezogen bin, auf dem platten Land gelebt hätte. Köln ist zwar im ganzen ein wenig kleiner und familiärer , hat aber stellenweise doch auch Großstadt-Attitüden. Jedenfalls wenn wir bei der Betrachtung mal die Fahrräder zum Thema machen. Folglich war es auch in Köln schon notwendig, dass ich 3 Schlösser mitschleppen musste, wenn ich mit meinem Fahrrad unterwegs war: Räder und Sattel mit dem Rahmen verbinden und diesen dann unbedingt an einer Laterne oder ähnlich schwer entfernbaren Gegenständen vor Ort festmachen. Hat auch meistens gut geklappt und bis auf so Kleinigkeiten wie meine Klingel oder auch dummerweise zurückgelassene Lichtstrahler ist eigentlich nichts abhanden gekommen. Jedenfalls in Köln.
Szenewechsel und Umzug nach Hamburg. Endlich ein Job bei dem ich in guten zehn Minuten mit dem Fahrrad im Büro bin. Was für ein Luxus, wenn man jahrelang auf den Service der Deutschen Bahn AG angewiesen war. Pünktlich kommen, war da fast seltener als Zuspätkommen. Aber das ist ein anderes Thema. Während ich also arbeite, steht mein Fahrrad in den ersten Wochen von morgens um acht bis nachmittags um fünf an einem Fahrradständer unmittelbar vor meinem Büro – versiegelt mit zwei Schlössern, weil eins im Rahmen des Umzugs verschwunden war. Und das zweite war nach wenigen Wochen dann auch unbrauchbar. Muss man sich mal vorstellen. Bei Tageslicht an einer doch mittelstark frequentierten Straße (was Fußgänger angeht), muss man am Ende eines Arbeitstages feststellen, dass die 26,- €, die ich seinerzeit in das Abus-Schloss investiert habe, doch eine gute Anlage waren. Plastik und Metallummantelung des Schlosses sind geknackt, aber an dem fingerdicken Drahtseilen im Kern des Schlosses ist der Bolzenschneider dann doch verreckt. Immerhin. Im Ergebnis heißt das 30, - € für ein neues Schloss in der fettesten Ausgabe, die Abus derzeit zu bieten hat, und ab sofort das Rad jeden Morgen quer durchs Büro auf den Balkon tragen (nicht Schieben, weil der Teppichboden ist ganz neu).
Urlaubsbedingt bleibt das Rad dann einige Wochen ungenutzt und steht derweil abgeschlossen in unserem Hausflur zwischen vielen anderen Fahrrädern. Ich wollte es ja eigentlich auf den Boden stellen. Aber weil man sich dann denkt, dass man in wenigen Tagen sowieso wieder damit fährt und weil der Hausflur ja auch einen safen Eindruck macht, spare ich mir die Schlepperei mit den fünf Etagen, was sich später böse rächt. Als ich nämlich dann vor einigen Wochen damit morgens mal wieder zur Arbeit fahren will, ist da, wo mein Sattel war, einfach ein trauriges Loch im Rahmen. Ja, ich hätte das Anti-Schnellspanner-Set, dass ich mir zusammen mit dem neuen Schloss besorgt hatte, vielleicht auch mal anbringen sollen. Allerdings hatte ich mir beim Kauf mehr Sorgen um meine Räder gemacht, als um den Sattel, weil der ja seit Anbeginn der Tage mittels Spiralschloss dauerhaft mit dem Rahmen verbunden war. Aber jetzt waren Sie beide Weg. Der Sattel und das Schloss. Und das alles im eigenen Hausflur. Nachbarn sind doch was feines.
Da es inzwischen Herbst in Deutschland und vor allem in Hamburg ist und es da doch relativ häufig zu Regenfällen kommt, ist das Fahrrad bis zum Frühjahr sowieso aus dem Rennen, weil Fahren ohne Schutzbleche bei nasser Fahrbahn das Outfit nicht wirklich besser werden lassen. Und die Scheiss Plastik Ansteckteile kannste mal direkt vergessen. Was mach ich also?! Ersteiger mir für 38,40 € bei Ebay das vorletzte Schrottfahrrad. Das allerletzte will ich es nicht nennen. Aber sein Geld war es trotzdem nicht wert. Aber a) kann man mit Photos und netten Worten bei Ebay doch einiges schön machen und b) ist es ja auch in Hamburgs Fahrradschuppen so gut wie unmöglich ein gebrauchtes Rad unter 90,- € zu bekommen. Und letztlich erfüllt es seinen Sinn. Es hat Schutzbleche und macht es mir also auch bei Regen möglich nicht völlig bespritzt im Büro anzukommen. Und es braucht keine Vielzahl an Schlössern, um es vor Dieben zu schützen, sondern kommt mit einem kleinen Spiralschloss aus, so wie jedes zweite Rad hier in Hamburg. Dachte ich zumindest. Bis ich gestern Nacht bei Welfare rauskam und mein Schloss fein säuberlich durchtrennt war. Mein Rad war allerdings noch da. Es drängt sich die Frage auf, ob die Diebe gestört wurden oder aber ob denen mein Rad dann doch einfach zu schäbig war, um es mitzunehmen. Zweites fänd ich angenehmer, denn dann würde es reichen, wenn ich heute ein neues Billig-Pseudo-Schloss kaufe, statt wieder 20-30,- € ausgeben zu müssen.
Grundsätzlich frag ich mich allerdings, was mit den Leuten in Hamburg eigentlich so geht. Klar will ich nicht leugnen, dass ich mich nach dem ein oder anderen Party Abend auch schon mal gefreut habe, wenn unterwegs zufällig ein unabgeschlossenes Fahrrad stand, dass mir den Weg nach Hause verkürzt hat. Und ich gebe auch zu, dass proportional zur Menge des konsumierten Alkohols und der Weite des Heimweges das Suchverhalten nach einem unabgeschlossenem Fahrrad zunimmt. Aber hierbei ganz klar der Fokus auf unabgeschlossene Objekte. Besitztümer anderer Menschen sollte man doch soweit achten, dass man verriegelte Gegenstände und den Wunsch des anderen, genau diesen Gegenstand später wieder vorzufinden respektiert und würdigt. Aber mit Respekt ist das in diesen Tagen wohl so eine Sache...

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